Abstinenz

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Abstinenz ist kein Verzicht

Während meiner stationären Therapie begegneten mir nicht wenige Mitpatient*innen, die nach der Therapie nicht auf ihr Feierabendbier oder ein alkoholisches Lieblingsgetränk verzichten wollen. 

Für manche stand fest, dass jetzt eine gewisse Zeit ohne Alkohol schon ganz gut für ihre Gesundheit wäre, aber in ein paar Monaten oder Jahren, “könne man ja wohl wieder ein Bierchen trinken”. 

Mich gruselte es bei solchen Aussagen jedes Mal. Aber Diskussionen waren zwecklos.

Nie wieder Alkohol?

Je nach Alter der/des Betroffenen kann die Spanne bis zum Lebensende (hoffentlich) sehr lang sein. Doch für Süchtige führt kein Weg daran vorbei, diese Zeit ohne Suchtmittel zu gestalten. Wir können nicht kontrolliert trinken. So sehr es sich mancher auch wünschen möge. Der Zug ist unwiderruflich abgefahren. Denn die Sucht hat sich in unser Gehirn gebrannt und dort neurobiologische Veränderungen hervorgerufen. Das Suchtgedächtnis erinnert sich auch nach Jahrzehnten noch bestens an die Wirkung und die einstigen Freuden des Alkohols. 

Es ist ein fataler Irrglaube, dass – nach egal welcher Zeitspanne – Körper und Geist quasi einen Reset erlebt haben und man ruhig mal ein (alkoholfreies) Bier genießen dürfe! Der Kontrollverlust ist vorprogrammiert. Selbst wenn es den ersten Abend oder die ersten Wochen noch gemäßigt laufen sollte.

Wozu ein Risiko eingehen?

Ohne Alkohol lässt es sich äußerst entspannt leben. Keine Beschaffung, keine Entsorgung, kein Kater, kein schlechtes Gewissen… dafür ein klarer Kopf. Herrlich! Das alles riskieren für eine Flasche Bier oder ein Glas Sekt an Silvester? Nein danke.

Ich verzichte nicht nur auf alkoholhaltige / alkoholähnliche Getränke, sondern auch auf Alkohol im Essen. Dies ist ebenfalls äußerst ratsam, nicht nur für Abstinenzneulinge. Vermeide möglichst alles, was dein Suchtgedächtnis triggern könnte. Das heißt (außer bei Alkohol) nicht, dass du ewig drauf verzichten müsstest. Ein Kneipenbesuch mit Freunden ist für viele nach einigen Monaten kein großes Problem mehr. Mein erster Festivalbesuch fand nach 3 Jahren Abstinenz statt und war super. Aber sowas ist individuell unterschiedlich. Man gewöhnt sich immer mehr an die eigene Abstinenz, sodass sie einem in Fleisch und Blut übergeht. Wie Verzicht fühlte sie sich für mich nie an.

Und heute kann ich wahrlich sagen:

Alkohol ist für mich keine Option mehr.